Gavin Ortlund: Wofür es sich zu kämpfen lohnt – und wofür nicht
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Gavin Ortlund: Wofür es sich zu kämpfen lohnt – und wofür nicht
Wann sollten Christen sich aufgrund verschiedener Lehrmeinungen trennen und wann sollten sie nach Einheit streben? Diese Frage lässt sich nicht immer einfach beantworten. Gavin Ortlund schlägt in Wofür es sich zu kämpfen lohnt – und wofür nicht vor, das aus der Medizin bekannte Konzept der Triage auf die theologischen Debatten anzuwenden und so die richtigen Prioritäten zu setzen. Er verwendet dabei vier Kategorien und fordert Christen dazu auf, theologische Diskussionen in Demut zu führen, um die Verbreitung des Evangeliums dadurch zu fördern. (Verlagstext)
- Vom Autor des Christianity Today »Book of the Year 2024«
- Ein Buch über Einheit trotz theologischer Differenzen
- Hilft, theologische Lehrmeinungen zu gewichten
| Autor: | Gavin Ortlund |
|---|---|
| Erscheinungsdatum: | 01/2025 |
| Einband: | Hardcover |
| Seiten: | 212 |
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2 Bewertungen
18. März 2025 11:51
Ein sehr hilfreiches Buch zu einem wichtigen Thema!
Ein sehr wertvolles und vor allem hilfreiches Buch für alle, die schon mal in der Situation waren, sich nicht sicher zu sein, ob es eine Sache wert ist, dafür zu kämpfen (in Bezug auf verschiedene Fragen und Standpunkte in der Bibel) oder ob es besser ist, wenn man die Sache "einfach so stehen lässt".
Wo muss man ganz klar Stellung beziehen und wo nicht? Was wissen wir zu 100% sicher und was ist für alle Christen - egal ob jung, alt, frisch bekehrt oder schon lange gläubig, Mann oder Frau und auch unabhängig von Land, Zeit und Kultur gültig und was nicht?
Der Autor unterscheidet hier nicht einfach zwischen "relevant" und "nicht relevant" und damit ist die Sache erledigt, sondern gliedert es in vier Bereiche auf:
1. Lehren, die für das Evangelium wesentlich sind
2. Lehren, die für die Gesundheit und die Praxis der Gemeinde nötig sind.
3. Lehren, die für den einen oder anderen Zweig der Theologie wichtig sind, aber nicht zu Spaltungen führen sollten.
4. Lehren, die für das Zeugnis des Evangeliums und die Zusammenarbeit im Dienst unwichtig sind.
Bei seinen Beobachtungen und Überlegungen wendet er dabei die sogenannte "theologische Triage" an. Hier handelt es sich (in einfachen Worten erklärt) im wesentlichen um ein System zur richtigen Priorisierung.
Sprich: Was ist wichtig genug, dass wir klar eine Linie ziehen und sagen, dass es sich hier um einen Grundpfeiler des Evangeliums handelt und daher nicht zur Diskussion steht und welche andere Themen können "flexibler" betrachtet werden.
Wir sollen weder Christen ohne Rückgrat sein, die einfach zu allem und jedem "Ja und amen" sagen, noch wollen wir Gläubige sein, die vor lauter "Kampfgeist" nur mehr diskutieren, verurteilen und kritisieren und dabei den Weg der Liebe und der Demut verlassen.
Denn man kann die Wahrheit entweder in Liebe oder ohne Liebe sagen, und es macht einen Unterschied, das könnt ihr mir glauben!
Hier fand ich es vor allem auch interessant, dass erwähnt wird, dass der Großteil der Spaltungen eher auf Stolz, als auf Heiligkeit zurückzuführen ist.
Soll heißen: Stolz (fehlende Demut) und das starre Beharren auf die eigene Meinung ist öfters der Grund, dass Christen und ganze Gemeinden im Streit liegen und sich sogar trennen, als es tatsächlich falsche Lehren sind. Das hat mich betrübt.
"Ich gebe euch jetzt ein neues Gebot: Liebt einander! So wie ich euch geliebt habe, so sollt ihr euch auch untereinander lieben. 35 An eurer Liebe zueinander wird jeder erkennen, dass ihr meine Jünger seid." - Johannes 13,34-25 HfA
Denn ja, ich bin zu 100% dafür, dass man für die Grundwahrheiten der Bibel klar Stellung nimmt und - wenn nötig - auch dafür kämpft, dass diese nicht verwässert werden, aber es ist auch wichtig zu realisieren, dass keiner von uns komplette Offenbarung über das ganze Wort Gottes hat und somit auch mal falsch liegen kann.
Außerdem- und deswegen sprach mich der Titel des Buches auch so an - müssen wir nicht über jede Kleinigkeit, wo wir nicht einer Meinung sind, in Streit und endlose Diskussionen ausbrechen.
Als Christen müssen wir uns entscheiden, wie wir unsere Zeit und Energie am besten einsetzen und wo unsere Prioritäten liegen sollen.
Klare Leseempfehlung!
25. Januar 2025 11:35
Kämpfe den guten Kampf des Glaubens
Theologische Diskussionen können mitunter hitzig geführt werden, besonders wenn es um zentrale Glaubensinhalte geht. Wann sollten theologische Lehrmeinungen Christen trennen, und wann sollte Einheit angestrebt werden? Gavin Ortlund nimmt sich in seinem Buch Wofür es sich zu kämpfen lohnt – und wofür nicht dieser schwierigen Frage an.
Wer ist der Autor?
Gavin Ortlund ist ein bekannter Theologe, Autor und YouTuber. Auf seinem Kanal Truth Unites beschäftigt er sich mit apologetischen Themen. Er hat mehrere Bücher verfasst und ist Pastor der First Baptist Church of Ojai in Kalifornien. Gemeinsam mit seiner Frau Esther hat er fünf Kinder.
Worum geht’s?
Um sich der Herausforderung anzunehmen, schlägt der Verfasser vor, das aus der Medizin bekannte Konzept der Triage auf die Theologie anzuwenden, um Prioritäten zu setzen und differenziert zu entscheiden, welche Lehrfragen eine zentrale Bedeutung haben und welche eher sekundär sind. Dazu gliedert sich sein Werk in zwei Hauptteile:
1. Warum wir eine theologische Triage brauchen
Im ersten Teil erläutert Ortlund, warum das Prinzip der Triage auch für theologische Debatten hilfreich sein kann. Dabei greift er auf ein Modell zurück, das Albert Mohler ursprünglich entwickelte. In der Medizin beschreibt „Triage“ die Entscheidung darüber, welche Patienten in einer Notfallsituation prioritär behandelt werden. Auf die Theologie übertragen, geht es darum, Lehrfragen nach ihrer Dringlichkeit und Bedeutung zu priorisieren.
Ortlund beschreibt anschaulich, wie er selbst in theologischen Fragen lernte, Prioritäten zu setzen. Anhand seiner eigenen Biografie – etwa seiner Auseinandersetzung mit der Tauffrage und der Interpretation von Genesis 1 – zeichnet er nach, wie ihn seine eigene theologische Migration zunächst in Isolation führte, aber schließlich auch zu größerer Klarheit und Demut.
2. Wie wir theologische Triage anwenden
Im zweiten Teil des Buches stellt Ortlund ein vierstufiges Kategorienmodell vor:
Kategorie 1: Lehrfragen, die das Evangelium direkt betreffen (z. B. Trinität, Jungfrauengeburt, Inkarnation).
Kategorie 2: Lehren, die die Zusammenarbeit unter Christen beeinflussen können, aber nicht trennend für die Glaubensgemeinschaft sind.
Kategorie 3: Themen, die innerhalb einer Gemeinde unterschiedliche Meinungen zulassen können.
Kategorie 4: Persönliche Überzeugungen, die keine Auswirkungen auf die Gemeinschaft haben.
Ortlund argumentiert, dass solche Kategorien fließend sind und jedes Modell notwendigerweise Vereinfachungen enthält. Dennoch belegt er anhand biblischer Beispiele, dass bereits die Apostel in Kategorien dachten, um zwischen zentralen und weniger wichtigen Lehrfragen zu unterscheiden.
Besonders nachdenkenswert ist sein Plädoyer für Demut und Respekt im Umgang mit unterschiedlichen theologischen Positionen. Für Ortlund ist es nicht nur entscheidend, wofür man kämpft, sondern auch, wie man kämpft.
Wer sollte es lesen?
Das Buch richtet sich an Theologen, Pastoren und engagierte Christen, die mit theologischen Fragen ringen und in der Lage sein möchten, zwischen zentralen und peripheren Themen zu unterscheiden. Es eignet sich gleichermaßen für Studenten der Theologie wie auch für christliche Leiter, die Orientierung in kontroversen Diskussionen suchen.
Was gibt es Kritisches?
Das Konzept der Triage erweist sich als hilfreich, dennoch bleibt das Buch an einigen Stellen hinter seinen Möglichkeiten zurück. Besonders die Frage, wie die Eindeutigkeit einer Lehre auf Grundlage des Bibeltexts fundiert werden kann, wird kaum behandelt – ein Aspekt, der gerade unter „Gleichgesinnten“ häufig zu Uneinigkeit führt.
Was bleibt?
Der Theologe liefert ein wichtiges Buch für unsere Zeit, in der theologische Debatten oft mehr spalten als vereinen. Sein Plädoyer für Demut und ein überlegtes Vorgehen in kontroversen Fragen ist ebenso herausfordernd wie ermutigend. Das Buch erinnert daran, dass unsere theologische Auseinandersetzung immer der Verbreitung des Evangeliums dienen sollte – in Wahrheit, aber auch in Liebe.


















